Zwischen-Körper

Zu den Skulpturen von Ev Pommer

Die Berliner Bildhauerin Ev Pommer hat seit Mitte der 1990er Jahre mehr und mehr zu einer eigenen künstlerischen Handschrift gefunden. Erkenntnisse der Skulptur des 20. Jahrhunderts, insbesondere die Verwandlung des plastischen Kerns in eine zum Raum hin geöffnete, transparente Form, lotet sie in modifizierter Weise neu aus.

Ihre meist aus natürlichen Materialien bestehenden Arbeiten erscheinen zunächst wie Relikte einer nicht mehr vorhandenen Welt. Sie stehen gleichsam zwischen den Zeiten wie Spurenelemente, die dem Vergangenem angehören und dennoch von einem Keim des Werdenden durchdrungen sind. Diese geräthaft-sensiblen Zeichenbildungen werden in einer beinahe entmaterialisierten Formensprache entwickelt, die das körperliche nur noch als eine Art Raumgefäß begreift, das in seiner Ausdehnung keine festen Grenzen mehr kennt und so wie eine Schwingung permanent Impulse in den Umraum aussendet.

Mit dieser Charakterisierung wird deutlich, wie sehr die Werke von Ev Pommer in einem Zwischenbereich angesiedelt sind, wie sehr in ihnen wohl noch Stofflichkeit suggeriert wird, andererseits aber die offene Sphäre des Räumlichen in die Gebilde eindringt. Die Künstlerin markiert mit ihren Gestaltungen in einer sehr behutsamen und dennoch klaren Form Übergänge, Berührungspunkte und Schnittstellen, an denen sich eine fließende Verbindung zwischen Körper und Raum einstellt. Dieses Grundmoment, das ihr Werk generell bestimmt, offenbart sich in unterschiedlicher Ausprägung in den drei Formfamilien oder Werkgruppen, die sich in ihrem Schaffen bisher herausgebildet haben: Wir finden diese verknappte Zeichensetzung sowohl in den hüllenartigen Umschließungen, die wie lapidare Raumausschnitte anmuten, als auch in den organisch verknoteten Verzweigungen, in deren linearer Verstrebung Fragilität und Statuarik gleichermaßen spürbar werden, und schließlich auch in den wie aufgereihtes Stückgut wirkenden Materialmontagen.

Immer ist Entrückung im Spiel, die den arbeiten ihre schon angesprochene Aura einer scheinbaren Abwesenheit verleiht. Sie erweist sich als eine Art Resonanzboden, aus dem heraus sich eine sehr konzentrierte und trotzdem zurückhaltend bleibende Eindringlichkeit vermittelt.

 

Dr. Fritz Jacobi, Kunsthistoriker